Antwort auf Anfrage zum TSG von Die Linke Kandidat Michel Brandt

Hintergrund kann hier nachgelesen werden: https://rosa.einhoerner.club/btw17-tsg/

9 Tage später antwortet auch Michel Brandt.
Hier zunächst der volle Text:

Hallo,
entschuldige die späte Antwort – wir haben ja auch schon kurz gesprochen.
Anhängend siehst du die Forderungen und Standpunkte, für die ich mich im Bundestag nach Kräften einsetzen werde.
Beste Grüße,
Michel
Angehängt ist ein PDF des Wahlprüfsteins der Linken zum Thema TSG (Link)
Die Frage und den Anfang der Antwort möchte ich hier kurz zitieren:
Frage: Treten Sie dafür ein, das TSG abzuschaffen und eine gesetzliche Möglichkeit analog dessen, was das Deutsche Institut für Menschenrechte vorgearbeitet hat, zu schaffen, damit alle Menschen – auch Kinder – ihre Geschlechtseinträge ohne Einschränkungen (also ohne Begutachtungs- oder Beratungszwang bzw. ohne Zwang medizinischer Maßnahmen) korrigieren lassen können?

Antwort: Wir wollen das Transsexuellengesetz als Sondergesetz aufheben und Begutachtungspflicht, Therapiezwang und das gerichtliche Verfahren abschaffen, wenn es darum geht, Vornamen und Personenstand zu ändern. Stattdessen muss dieses Verfahren in einen Verwaltungsakt überführt und auf Antrag ohne Vorbedingung diskriminierungsfrei geregelt werden. Zur Info den am Wochenende 9./10.06 bei unserem Bundesparteitag beschlossenen Queer-Teil unseres Bundestagswahlprogrammes: Queer – Gleichberechtigung für alle Lebensweisen! DIE LINKE setzt sich für die Gleichberechtigung aller Lebensweisen ein. Sexuelle und geschlechtliche Vielfalt ist gesellschaftliche Realität. Wir fordern, die gesetzliche Realität der gesellschaftlichen Realität anzupassen und wenden uns gegen jegliche Diskriminierung, sei es privat, in der Schule oder am Arbeitsplatz.(…)

Antwort auf Anfrage zum TSG von Grüne Kandidatin Sylvia Kotting-Uhl

Hintergrund kann hier nachgelesen werden: https://rosa.einhoerner.club/btw17-tsg/

8 Tage nach meine Anfrage antwortete mir die Kandidatin der Grünen, Sylvia Kotting-Uhl.

Hier der unkommentierte Text:

Guten Tag <Name entfernt>,

seit Jahren fordern meine Bundestagsfraktion und ich eine Abschaffung des veralteten Transsexuellengesetzes, das nach über 30 Jahren nicht dem Stand der Wissenschaft entspricht und die Menschenrechte von transsexuellen Personen mit Füßen tritt. 

Das Verfahren für die Änderung der Vornamen und Berichtigung des Geschlechtseintrages wollen wir deutlich vereinfachen und nur vom Geschlechtsempfinden des Antragstellers abhängig machen. Die Transsexualität kann nicht diagnostiziert werden, nur die Antrag stellende Person selbst kann letztlich über ihr Geschlecht Auskunft geben. Es wird zudem auf die Anrufung eines Gerichts verzichtet. Der Antrag ist bei den Standesämtern zu stellen, so dass die Berichtigung im Rahmen eines Verwaltungsaktes unbürokratisch erfolgen soll. Sobald die menschenunwürdige Begutachtungspraxis abgeschafft wird, kann die therapeutische Begleitung tatsächlich den Zweck der Hilfestellung erfüllen und der Prozess der Transition für Betroffene berechenbarer werden.

Geschlechtszuweisende Operationen an Kindern wollen wir grundsätzlich verbieten. Eine angemessene Entschädigungsregelung für Inter*Menschen soll gemeinsam mit deren Vertreter*innen erarbeitet werden. Mit einem bundesweiten Aktionsplan für Vielfalt und gegen Homo-, Bi- und Transfeindlichkeit wollen wir Forschung, Aus- und Fortbildung bei Polizei, Justiz und anderen staatlichen Akteuren verstärken. Bildungs- und Jugendpolitik soll Menschenrechte und die Vielfalt sexueller Identitäten stärker berücksichtigen.

Meine Bundestagsfraktion und ich haben im Mai ein modernes Selbstbestimmungsgesetz vorgeschlagen, dessen Leitbild die persönliche Freiheit und nicht irgendwelche Ordnungsvorstellungen über die Geschlechter ist. Es ist höchste Zeit, dass die tatsächliche Vielfalt von Geschlechtern akzeptiert wird, anstatt transsexuelle Menschen in vorgegebene Raster zu pressen und ihnen das Leben schwerzumachen.

Mit freundlichen Grüßen
Sylvia Kotting-Uhl

Sie schreibt immer von Transsexualität, was mit etwas unangenehm aufstößt, denn es ist keine Sexualität sondern eine Geschlechtsidentität. Deshalb ist der begriff transgender Person oder Transgeschlechtlichkeit da besser.
Der zweite Absatz gefällt mir durchaus gut. Sie spricht die Zwangs-OPs von inter Personen an, verwendet geschlechtergerechte Sprache und spricht auch wichtige Aspekte wie Bildung und Repräsentation sowie Akzeptanz und Toleranz an.

Alles in allem eine positive Antwort, auch wenn manche Begriffe noch etwas veraltet und unpassend sind.

Gegendemo zur „Demo für Alle“ in Karlsruhe

Am kommenden Freitag wird der „Bus der Meinungsfreiheit“, der durch die „Demo für Alle“ organisiert wird, in Karlsruhe ankommen. Es wird eine Gegendemo gegen diese LGBTQIA+ feindliche Demonstration geben. Erscheint vielzählig, sagt es an Freunde und Bekannte weiter, damit wir ein Zeichen gegen Queerfeindlichkeit setzen können!

GegenDemo Infos:

Freitag 08.09.2017
12:00 vor dem Bundesverfassungsgericht.

Ein paar Hintergrundinformationen:

Wer ist die „Demo für alle“ und ist sie wirklich für alle?

Die „Demo für Alle“ beschreibt sich selbst als „ein Zusammenschluß verschiedener Familienorganisationen, politischer Vereine und Initiativen und Familien aus ganz Deutschland. Wir gehen auf die Straße, um für die Wahrung der Elternrechte, Ehe und Familie und gegen Gender-Ideologie und Sexualisierung der Kinder zu demonstrieren.“[0]
Sie bezeichnen die „Ehe für Alle“ als „einen Blitzkrieg gegen das Fundament jeder Gesellschaft, nämlich die Ehe zwischen Mann und Frau, die die Generationenfolge sichert.“[1] Sie behaupten, dass alle Menschen die nicht heterosexuell und cis Frau oder cis Mann sind, die „Kernfamilie“ (Vater, Mutter, Kind(er)) hassen und unterwandern wollen.
In einfacheren Worten, die „Demo für Alle“ ist pro hetero Beziehungen und Ehe, gegen die „Homo Ehe“, pro binäres Geschlechtsbild, gegen Aufklärung von nicht normativen Beziehungsformen und Geschlechtsidentitäten.

Die „Demo für Alle“ braucht daher einen Zusatz. Alle bedeutet hier, alle die heterosexuell sind, monogam leben und heiraten und Kinder bekommen wollen, alle die cis¹ und dyadisch² sind, alle die allosexuell sind. Kurz um, alle die dem heteronormativen Weltbild entsprechen.

¹ cis bedeutet „nicht trans“, das bei der Geburt zugewiesene Geschlecht passt mit der Geschlechtsidentität überein

² dyadisch bedeutet „nicht intersex“, das heißt, es liegt keine Form von Intersex vor

[0] https://demofueralle.wordpress.com/eine-seite/
[1] https://demofueralle.wordpress.com/2017/08/04/ehe-fuer-alle-auch-ein-demokratietest-fuer-europa/

Was hat es mit dem „Bus der Meinungsfreiheit“ aufsich?

Hier zu Beginn wieder die Selbstbeschreibung: „Ähnlich wie zuvor bereits in Spanien, Chile, Mexiko, den USA und anderswo fahren wir mit einer Gruppe junger Leute vom 6. bis zum 15. September mit dem „Bus der Meinungsfreiheit“ einmal quer durch Deutschland, um für #EhebleibtEhe, für die Zweigeschlechtlichkeit, gegen Gender, Sexualisierung und all unsere damit verbundenen Positionen zu werben.“[2]

Die erwähnten Aktionen aus Spanien, Chile, Mexiko und den USA zeichnen ein eindeutiges Bild, welche Meinungen vertreten werden.
Hier ein paar Ausschnitte aus Berichterstattungen dieser Busse:

Spanien:
„An anti-transgender bus has been forced out of Madrid after activists, trade unionists and city council members rallied together against its message of intolerance.“
„The bright orange vehicle was first seen in the capital city Monday when a group of concerned citizens noticed an offensive slogan on its side: “Boys have penises, girls have vulvas. Do not be fooled. If you are born a man, you are a man. If you are a woman, you will continue to be one.““
Quelle: http://www.newnownext.com/madrid-anti-trans-bus/03/2017/

Chile:
„The Hazte Oír vehicle’s debut in the Chilean capital was organized by a coalition of conservative Christian groups including CitizenGO, the larger organization to which Hazte Oír belongs. The vehicle – dubbed the “Freedom bus” on the Chilean leg of its tour – bore the slogan “Nicolas has the right to both a mother and a father” – a clear reference to a 2014 campaign by MOVILH under the banner “Nicolas has two fathers,” according to Chilean television station T13.“
„Government spokesperson Paula Narváez noted several days ago that the campaign promoted intolerance. “Instead of being called the Freedom Bus, it should be called the intolerance bus,” she said.“
Quelle: https://elpais.com/elpais/2017/07/12/inenglish/1499854560_478709.html

Mexiko und USA:
„A Spanish group that sparked outrage for commissioning a bus with an anti-transgender slogan is making plans to take their message of hate to the U.S. next week.“
„Hazte Oir is associated with Citizen Go, a Madrid-based Catholic activist group that opposes reproductive rights, LGBT equality and access to comprehensive sex education. (A petition on the Citizen Go site calls for the UN to stop providing information on contraceptives and abortion care in the developing world.)“
Quelle: http://www.newnownext.com/transgender-bus-citizen-go-madrid/03/2017/

„The orange buses that first starting spreading their homophobic, transphobic messages across Spain have now made it overseas to the United States and Mexico, thanks to funding from conservative group Hazte Oir.

Mexico is having none of it, and has found the perfect solution to drowning out harmful messages such as: ‘Teens should not know about sexual rights!’ and ‘Free textbooks with gender ideology out’.

LGBT+ activists in Guadalajara wrapped giant rainbow flags around the so-called ‘Freedom Bus’ as part of a protest against conservative coalition National Front for the Family, a group that supports the initiative.“
Quelle: http://www.sbs.com.au/topics/sexuality/agenda/article/2017/07/05/activists-mexico-wrapped-transphobic-bus-rainbows

[2] https://busdermeinungsfreiheit.wordpress.com/ueber/

Antwort auf Anfrage zum TSG von SPD Kandidat Parsa Marvi

Hintergrund kann hier nachgelesen werden: https://rosa.einhoerner.club/btw17-tsg/

Ich konnte heute morgen kaum glauben, dass ich innerhalb weniger als 24 Stunden eine Antwort erhalten würde. Da muss ich den Kandidaten Parsa Marvi von der SPD sehr dafür loben.

Nun zum eigentlichen, die Antwort:

Guten Tag,
vielen Dank für Ihr Anschreiben!

Meine Position dazu:

Ich bin dafür, die Lage von trans- und intergeschlechtlichen Menschen zu verbessern und zu gewährleisten, dass sie selbst über ihr Leben bestimmen können. Das betrifft medizinische, gesundheitliche, soziale und rechtliche Aspekte. Wir wollen daher das Transsexuellengesetz und weitere Gesetze reformieren. Wir wissen, dass eine punktuelle Änderung des aktuell gültigen Transsexuellengesetzes angesichts bestehenden dringenden Reformbedarfes bei weitem nicht ausreichend ist. Mehrere Vorschriften sind vom Bundesverfassungsgericht als verfassungswidrig eingestuft und für nicht anwendbar erklärt worden. Die SPD-Bundestagsfraktion hat sich in der 18. Wahlperiode für eine umfassende Reform ausgesprochen, dieses war mit der CDU/CSU-Fraktion aber nicht zu machen. Grundlage einer Reform ist für uns das Prinzip der Anerkennung der Geschlechtsidentität und der Schutz der Selbstbestimmung bei der Geschlechterzuordnung.

Ich kann daher nur hoffen, dass sich für dieses Anliegen eine progressive Mehrheit im nächsten Bundestag findet. Ich befürworte ganz klar deutliche Verbesserungen für transgeschlechtliche Menschen.

Freundliche Grüße
Parsa Marvi

Alles in allem eine gute Antwort. Er verwendet *geschlechtlich und nicht *sexuell, er spricht von sich aus alle Aspekte an und sieht ein, dass eine leichte Änderung des TSG nichts bringen würde. Gegen Ende werden es mir persönlich wieder zu viele „Wahlkampfparolen“, aber wir sind ja immerhin in der heißen Phase des Wahlkampfes.
Fazit: Ich bin positiv über den Inhalt überrascht sowie über die Reaktionszeit.

Anfrage an Karlsruher Bundestagswahl Kandidierende zum TSG

Da am 24. September ein neuer Bundestag gewählt wird, ist es interessant, persönliche Meinungen der Kandidierenden aus Karlsruhe zu wissen. Speziell interessiert mich die Meinung zum TSG („Transsexuellengesetzt“ https://de.wikipedia.org/wiki/Transsexuellengesetz) und die vorgeschlagenen Änderungen.

Den folgenden Text werde ich an alle Kandidierenden aus dem Wahlbereich Karlsruhe-Stadt senden. Falls Du aus einem anderen Wahlkreis kommst, bist zu herzlich eingeladen, den unten stehenden Text auch an deine Kandidierenden zu schicken.
Vielen Dank an nazco für den Text, den ich (mit ein paar kleinen Änderungen) übernommen habe. (Quelle: https://leahoswald.de/kandidierende-des-wahlkreises-heidelberg-zu-einer-neuregelung-destranssexuellengesetzes/)
Die Kandidierenden sind:
CDU: Ingo Wellenreuther ✓
SPD: Parsa Marvi✓✓ https://rosa.einhoerner.club/aw-parsa-marvi/
Die Linke: Michel Brandt✓✓ https://rosa.einhoerner.club/aw-michel-brandt/
Grünen: Sylvia Kotting-Uhl✓✓ https://rosa.einhoerner.club/aw-sylvia-kotting-uhl/
AfD: Marc Bernhard✓
FDP: Michael Theurer✓
(✓ Versendet, ✓✓<link> Habe eine Antwort bekommen, veröffentlicht unter <link>)

Guten Tag,

als Wähler_in in Ihrem Wahlkreis hätte ich eine Frage an Sie. Zuerst möchte ich jedoch erwähnen, dass ich das Wahlprogramm kenne und mich statt über Zitate daraus über Ihre persönliche Meinung freuen würde. 🙂

Ein Thema das mir für die folgende Legislaturperiode sehr am Herzen liegt ist eine Neuregelung des seit 1981 von der Politik nicht mehr angefassten Transsexuellengesetzes.

Dieses Gesetz wurde in den letzten Jahren zu großen Teilen vom Bundesverfassungsgericht als unzulässig und verfassungswidrig erklärt. Auch viele der bestehenden Paragraphen werfen schwerwiegende grund- und menschenrechtliche Bedenken auf. Es besteht somit dringender Bedarf an einer Reform.

Das TSG in seiner aktuellen Fassung geht von veralteten und pathologisierten Vorstellung von „Transsexualität“ als psychischer Erkrankung aus, die nach den aktuellen Erkenntnissen der Forschung nicht zu vertreten ist und betroffene Menschen diskriminiert.

Darüber hinaus wird es der Lebensrealität vieler Menschen auch schlicht nicht gerecht, da es von einer binärität des Geschlecht aus geht, die so nicht gegeben ist. Somit werden Menschen deren geschlechtliche Identität nicht eindeutig auf diesem Spektrum oder überhaupt nicht in diesem Spektrum liegt von einer Anerkennung oder entsprechenden Anpassungen von Dokumenten und Namen ausgeschlossen. Darüber hinaus ist es für diese Menschen noch schwerer, entsprechende medizinisch notwendige oder gewünschte Leistungen zu erhalten. Hier möchte ich auch auf Ihr Kontaktformular hinweise, welches mich, als Person mit nicht-binärem Geschlecht, zwingt, eine falsche Angabe zu tätigen.(Nur falls, das Kontaktformular mich zwingt „Frau“ oder „Mann“ auszuwählen)

Vielmehr stellt es alle von diesem Gesetz betroffene Menschen vor enorme Herausforderungen und setzt diese gleichzeitig einem extremen psychologischen Druck aus. Nicht zuletzt ist das ganze Verfahren doppelter Begutachtung, dass einzigartig in der deutschen Gesetzgebung ist, auch finanziell (Kosten von etwa. 1.500€ bis 4000€) für Betroffene nicht leicht zu stemmen und somit nicht akzeptabel.

Zu diesem Schluss kommt auch ein aktuelles Gutachten[1] der Humboldt-Universität im Auftrag des BMFSFJ.

„Insgesamt ist zu konstatieren, dass die Ausgestaltung des Verfahrens nach dem TSG nicht den Empfehlungen des Menschenrechtskommissars oder den Vorgaben der Resolution 2048 der Parlamentarischen Versammlung des Europarats vom 22.04.2015 entspricht, da das Verfahren weder schnell, noch transparent, noch leicht zugänglich oder auf Selbstbestimmung basierend ist.“

In diesem Gutachten befindet sich auch der Entwurf für die Schaffung eines neuen „Geschlechtsidentitäts und -zuordnungsgesetz“. Diese soll die alten Regelungen des TSG durch neue und zeitgemäße Regelungen ablösen und Betroffenen ein angemessenes Verfahren ermöglichen.

Dieser Entwurf wurde, wie auch das Gutachten, leider in der aktuelle Legislaturperiode nicht weiter beachtet. Trotz dessen stellt der Entwurf eine gute Ablösung des TSG dar und würde vielen Menschen das Leben enorm vereinfachen. Jede weitere Verzögerung stellt jedoch gleichzeitig eine Zumutung, Diskriminierung und schwerwiegende Belastung für betroffene Menschen dar. Viele Staaten sind hier schon weiter und haben aus dem komplizierten Verfahren einen einfachen Verwaltungsakt gemacht.

Ich möchte Sie daher direkt im Bezug auf die nächste Legislaturperiode fragen, wie Sie zu diesem Thema stehen? Ob und wie Sie sich für eine dem entsprechende Neuregelung einsetzen werden und welche zeitliche Dringlichkeit Sie dem Thema zugestehen?

Ich freue mich schon auf Ihre Antwort.

Mit freundlichen Grüßen,

PS: Gewünschte Anrede: Guten Tag
[1]https://www.bmfsfj.de/blob/114064/25635a05dd8e4ad7d652602c595c7cd3/regelungs–und-reformbedarf-fuer-transgeschlechtliche-menschen—band-7-data.pdf

Kommentar: Mundtote Studierendenschaft – als hätten wir 1977

Erst führen Grüne und CDU in Baden-Württemberg rassistische Studiengebühren, in Höhe von 1.500€ pro Semester pro Studierendem, der keinen europäischen Pass hat und jetzt wollen sie auch noch still und leise die Studierendenschaften wieder mundtot machen. Das politische Mandat soll wieder abgeschafft werden. Genauer gesagt der Satz „Im Rahmen der Erfüllung ihrer Aufgaben nimmt die Studierendenschaft ein politisches Mandat wahr.“ soll aus dem Landeshochschulgesetz wieder gestrichen werden. Die Grünen beteuern zwar, dass sich dadurch für die Studierendenschaften nix ändern werde, aber das ist eine dreiste Lüge. Den mit dem streichen dieses Satzes ist jede politische Äußerung der Studierendenschaften eine juristische Grauzone. Den Studierendenschaften wird die Rechtssicherheit entzogen. Damit sind auch Äußerung über Themen die Studierende direkt betreffen quasi unmöglich. Auch Themen wie Studiengebühren, BAföG, etc. sind davon betroffen.

Die Rechtfertigungen von Wissenschaftsministerin Theresia Bauer und den Grünen sind schon unverschämt dünn. So twitterte Theresia Bauer: „Kein Kompetenzverlust f. #VS. Alle Aufgaben bleiben bestehen! Einführung d. VS war große Errungenschaft, an der wir auch weiter festhalten“ – Tweet von @TheresiaBauer und es wird von „Präzisierung“ des Landeshochschulgesetzes geredet und davon, dass einen missverständlichen Begriff streichen wollen. Auf konkrete Fragen gibt es dann aber auch immer nur die gleichen hohlen Phrasen zurück.

Natürlich wird sich für Studierendenschaften etwas ändern! Ihnen wird die Rechtssicherheit genommen. Damit sind diese faktisch mundtot! Wer soll denn bitteschön daran glauben, dass die Streichung eines Satzes, irgendetwas präzisieren kann? Und wenn es um einen missverständlichen Begriff geht, warum wird dieser nicht geändert? Warum muss dafür ein ganzer Satz gestrichen werden? Alles Fragen, die nicht wirklich beantwortet werden.

Tja, und wenn Ihnen dann gar nichts mehr einfällt, dann gibt es ja noch glücklicherweise die Möglichkeit alles auf den Regierungspartner zu schieben. So behaupteten die Grünen auf Twitter plötzlich: „Falsch. Wir haben verhindert, dass aus dem politischen ein rein hochschulpolitisches Mandat wird. Das wäre die Einschränkung gewesen.“ – Tweet der @FraktionGruenBW. Also, die CDU wollte uns das politische Mandat wegnehmen und die Grünen haben das verhindert. Aha. Komisch ist nur das Ministerin Bauer immer wieder betont, dass es von Anfang an nur ein hochschulpolitisches Mandat gab und die Streichung des Satzes, das ja präzisieren soll. Das widerspricht sich dann inhaltlich nicht nur ein bißchen.

Also halten wir fest, die Grünen und die CDU wollen in Baden-Württemberg die Studierenden wieder in das Jahr 1977 zurück katapultieren und versuchen das zu verschleiern. 1977 wurde nämlich schon einmal den Studierendenschaften in Baden-Württemberg mundtot gemacht. Die damalige CDU-geführte Landesregierung unter Hans Filbinger ging sogar noch weiter und entzog den Studierendenschaften nicht nur das politische Mandat, sondern auch die Satzungs- und Finanzhoheit. Was dazu führte das sich viele Studierendenschaften in so genannten U-Modellen organisierten, um sich für die Belange der Studierenden einsetzen zu können. Erst 2012 bekamen wir wieder eine Verfasste Studierendenschaft, die jetzt wieder handlungsunfähig gemacht werden soll.

Wir können gespannt sein, was als nächstes kommen wird. Vielleicht die Abschaffung der Satzungs- und Finanzfreiheit der Studierendenschaften oder mal wieder Studiengebühren für alle Studierenden? Wir dürfen auf alle Fälle gespannt sein. Zutrauen tue ich den Grünen Baden-Württemberg mittlerweile alles.

Lasst uns also wieder unsere alten T-Shirts auspacken:

Mehr zu dem Thema:
Pressemitteilung des freien zusammenschluss von studentInnenschaften (fzs)
Stellungnahme des AStA am KIT

Nein, nicht nur Frauen menstruieren!

CN: Menstruation, Blut, Cissexismus, Sex

tl;dr: Enbys, intersex Menschen und Trans*Männer menstruieren eventuell auch. Wer einen Uterus hat, hat die „Fähigkeit“ dazu, unabhähig vom (gelesenen) Geschlecht.

Ich laufe in einen Drogeriemarkt. Auf der Suche nach Tampons. Ausnahmsweise mal nicht für mich zum benutzen sondern zum häkeln kleiner Taschenmonster. Das erste Mal seit Langem achte ich tatsächlich darauf, was am Regal steht. Und was auf den Packungen steht. Das Regal ist mit „Damenhygiene“ betitelt. Die Produkte sind „Damenbinden“ oder „Lady Ultra Mini“. Die Packungen sind häufig pink oder lila, mit Schmetterlingen und Blumenmustern. Kaufen kann „frau“ Tampons, Binden und Slipeinlagen. Seit kurzen gibt es auch „Menstruationstassen“ hier zu kaufen.

Ich stehe also vor diesem Regal und überlege, welche Tampons ich kaufe und wundere mich warum mir die vielen Jahre, die ich jetzt schon Tampons kaufe, nie aufgefallen ist, wie sehr alle Produkte „für Frauen“ schreien. Dann fällt mir ein, dass ich eigentlich schon immer nur zum Regal hetzte, die Tampons, die ich brauche, schnappe und möglichst schnell von diesem „Regal der Schande“ weghaste. Meinstens richtete ich es auch so ein, dass die Tampons das letzte sind, was ich aus dem Laden brauche, damit ich dann gleich zur Kasse kann, bezahlen, und dann endlich die Packung in den Tiefen des Rucksacks verschwinden lassen kann.

Als ich mich dann entschieden habe welche Tampons ich in die kleinen Monster packen will, gehe ich zur Kasse und bezahle. Diesesmal achte ich darauf, warum ich mich so dafür schäme Tampons zu kaufen. Mein erstes Gefähl ist: weil Menstruation ein Tabu ist und darüber nicht gesprochen wird, es ein Geheimnis ist, wann und wie lange ich blute und was ich zum Auffangen benutze. Denn wenn ein Mitmensch mitbekommt, dass ich Tampons kaufe oder in der Hand habe, sorgt das für komische Blicke, Hänseleien oder gar Handgreiflichkeiten. Diese Sachen kommen mir in den Kopf, da das alles Sachen sind, die ich den 5 Jahren Schule, während denen ich menstruierte, gelernt und erlebt habe.

Beim weiteren darüber Nachdenken, jetzt schon auf dem Fahrrad sitzend, von Autos fast überfahren werdend, wird mir dann aber klar, dass diese Erfahrungen vielleicht ein Teil des Problems aber definitiv nicht der Hauptgrund sind. Ich kann offen über meine Mens reden, mich mit anderen austauschen unabhängig ob diese auch menstruieren oder nicht. Das kann es also nicht alleine sein. Aber was ist es dann? Ich kann an diesem Tag und auch anderen darauf folgenden Tagen diese Frage nicht beantworten. Auch wenn ich immer mehr ahne, woran es liegen könnte.

Einige Zeit später, vermutlich ein paar Tage, vielleicht auch ein paar Wochen, lese ich mal wieder in meiner Twitter-Timeline etwas zu trans* Menschen. Es geht um den offenen und versteckten Cissexismus, der uns trans* Menschen entgegenweht. Vorallem non-passing binary trans* Menschen und non-binary trans* Menschen. Wie (fast) alles um uns herum binärgeschlechtlich codiert ist. Es gibt Shampoo „for her“ und „for him“. Rasierer in Blau- und Schwarztönen für Männer™ und in Pink- und Lilatönen für Frauen™ (welche meistens auch noch teurer sind). Es gibt in Bekleidungsläden die Frauen™-Abteilung und die Männer™-Abteilung. So geht das Ganze weiter mit Toiletten, Spielzeug, Schuhen, Büchern … Ich könnte noch stundenlang aufschreiben, was sonst noch alles binärgeschlechtlich codiert ist; da das aber nicht das Thema sein soll, belasse ich es erst einmal bei ein paar offensichtlichen Beispielen, damit auch alle, denen das (noch) nicht aufgefallen ist, erst einmal einen Überblick bekommen. Mir und vermutlich vielen anderen Enbys fällt sowas täglich auf und zeigt, meist schmerzlich, wie sehr diese Gesellschaft uns nicht wahrnimmt. Beim Lesen dieser Tweets wird mir dann klar, warum ich Tampons und eigentlich alles, was mich als Person von außen als „menstruierend“ erkennbar macht, nicht leiden kann. (Ganz abgesehen von den gesundheitlichen Problemen wie TSS oder der große Haufen Müll).

Die Gesellschaft beschreibt zum einen, dass nur Frauen™ (und oft auch das *alle* Frauen™) menstruieren, und zum anderen dann auch, dass alle, die menstruieren, Frauen™ sind. Genau hier liegt das Problem. Das ist schlicht falsch. Weder menstruieren alle cis Frauen noch menstruieren nur Frauen™. Nicht alle Menschen, die menstruieren, sind cis Frauen. Um diesen Punkt zu verdeutlichen, hier nochmal kurz die Definition von Menstruation von Wikipedia:
>>Die Menstruation ist die periodisch wiederkehrende Blutung aus der Gebärmutter, die umgangssprachlich „Monatsblutung“ oder „Periode“ genannt wird.<<[1]
Das bedeutet, dass alle Menschen, die eine Gebärmutter haben, theoretisch zum Menstruieren in der Lage sind. (Wiederkehrende Schmerzen im Unterleib von Menschen ohne Gebärmutter existieren auch, ist aber kein Thema, zu dem ich etwas sagen kann/will da ich nicht selbst betroffen bin oder eine Person kenne, die betroffen ist.) Da alle Menschen mit Gebärmutter die „Fähigkeit“ haben, sind eben nicht nur cis Frauen betroffen. Es gibt da zum Beispiel Enbys wie mich. Ich wurde mit einer Gebärmutter gebohren und habe einen monatlichen Zyklus. Es gibt aber auch intersex Menschen die bei der Geburt als „Junge“ deklariert wurden, dann aber später feststellen, dass sie eine Gebärmutter haben. Ebenso gib es trans* Männer, die menstruieren. Mit dieser falschen Einstellung, dass nur Frauen™ menstruieren, kommen einige Probleme. Zum einen werden trans* Männer von jeglichen Konversationen zu Themen diesbezüglich im besten Fall vergessen, im schlimmsten ausgeschlossen. Auch ist dann da noch das Problem mit Mülleimern auf Toiletten. Insbesondere Pads, aber auch Tampons gehören nicht in die Toilette sondern den Mülleimer. Wenn aber keiner in den Kabinen ist, wird das schwierig. Doch die Toilette runter? Sich outen und bei den Waschbecken wegwerfen, wo dann evtl Menschen, die Probleme mit Blut haben, es sehen könnten? Oder für das Benutzen von Menstrationshygieneprodukte im schlimmsten Fall noch aus der Toilette geworfen werden oder verprügelt werden? Als Enby kann ich nicht allumfassend für die Erfahrungen von trans* Männern sprechen, weshalb es extrem wichtig ist, dass sie mit in die Konversation aufgenommen werden und mitsprechen können und dürfen.

Es gibt da aber auch noch einen weiteren Punkt, der vielleicht nicht ganz offensichtlich ist: Dadurch, dass unsere Gesellschaft alles was „weiblich“ ist oder was Frauen™ betrifft, als etwas Schlechtes sieht, wird über das Thema kaum bis garnicht gesprochen. Die Implikationen davon sind zu viele, um sie noch in diesem Eintrag zu besprechen, aber die Auswirkungen dürfen trotzdem nicht übersehen oder weggelassen werden. Allen wird, direkt oder indirekt, beigebracht, dass Menstruation eklig sei und ein Tabu-Thema, über das nicht gesprochen wird. Das sorgt dann auch dafür, dass alle, die von der Gesellschaft nicht als „weiblich“ eingestuft werden, sich aber mit dem Thema beschäftigen, seltsame Blicke ernten oder sogar mit Gewalt rechnen müssen. Das verhindert oft, dass trans* Männer einfachen Zugang zu Menstruationshygieneprodukten haben, aber auch, dass sich cis Männer mit dem Thema beschäftigen. Das sorgt für Vorurteile wie „Die sollen halt einfach lernen, die Blase zu halten, wie wir das auch können“ oder Sprüche wie „die hat ihre Tage, pass auf, die ist bissig“ oder „die hat schon wieder ihre Tage, können wir nichtmal Sex haben“. Es sorgt aber leider auch dafür, dass alle Menschen kaum etwas über Menstruation wissen. Mögliche Produkte und deren Probleme (TSS, Müll) und Lösungen für diese Probleme (Menstruationstassen, wiederverwendbare Pads) aber auch mögliche Beschwerden wie z.B. Schmerzen werden oft nicht ernst genommen.

Ich hoffe, dass es in Zukunft besser wird, aber vielleicht bin ich auch etwas naiv. Es würde aber definitiv allen Menschen zugute kommen, wenn wir als Gesellschaft endlich begreifen, dass nicht nur cis Frauen menstruieren. Und wenn wir Menstruation mit allen (blutigen) Details enttabuisieren. Dann kommt es vielleicht zu weniger Situationen, in denen eine Person heimlich
nach einem Tampon fragen muss, sondern offen fragen kann. Oder noch besser: Auf allen(!) Toiletten Tampons und Pads zur Verfügung stehen. Und an alle Menschen, die nicht menstruieren: Tampons und Pads sind nicht giftig oder sowas. Das ist größtenteils einfach nur Watte und ein bischen was drumrum. Und nein, wir täuschen die Schmerzen nicht vor. Und wenn du eben mal
kein Sex haben kannst, ist das eben so. Deal with it!

[1] https://de.wikipedia.org/wiki/Menstruation

Drittes queerKULTUR-Festival in Karlsruhe

Vom 31.03. – 17.04. findet dieses Jahr zum dritten Mal das queerKULTUR-Festival in Karlsruhe statt. Es soll zum einem politisch sein und z.B. auf immer noch bestehende Benachteiligungen hinweisen, als auch geschütze Räume für Queers und ihre Verbündeten bilden.

Das Programm ist sehr umfangreich und kann entweder auf der Homepage von queerKULTUR oder auf deren facebook-Seite nachgelesen werden.

Wir wollen hier aber trotzdem einen kleinen Auszug aus dem Programm vorstellen:

Fr 31.3., 20:30 Uhr
Das Festival wird eröffnet und direkt im Anschluß zeigen die Pride Pictures: Queere Kurzfilme.
Ort: Studio 3 Kinemathek, Kaiserpassage 6

So 2.4. 20:00 Uhr
Podiumsdiskussion zur Bundestagswahl
Ort: Z10, Zähringerstraße 10; Liveübertragung im Querfunk

Mo 3.4. 19:00 Uhr
Die Schwung lädt zu „Klassik und Krimis“
Ort: La Vie, Ettlinger Str. 9

Sa 8.4. 15:30 Uhr
Queerer Stadtrundgang
Treffpunkt: Harlekin-Brunnen auf dem Kronenplatz (unterhalb des Jubez)

Mi 12.4. 19:00 Uhr
Vortrag Ilona Scheidle: LesbenFrauenGeschichte in Baden und Württemberg – finden, sichern und vermitteln
Ort: Internationales Begegnungszentrum IBZ, Kaiserallee 12d

Fr 14.4. 18:30 Uhr
Einsteigerabend Jugendgruppe Schwule Jungs
Ort: La Vie, Ettlinger Str. 9

Mo 17.4. 9:50 Uhr
Osterwanderung von Annweiler über die Madenburg und Burg Landeck nach Gleiszellen
Anmeldung notwendig!
Treffpunkt: Bahnhofshalle Karlsruhe

Listentreffen 03.03.2017

Wir hatten heute Abend Sitzung der Rosa Liste.

Auf der Tagesordnung stand insbesondere Ausarbeitung und Beschluss einer Satzung für eine Hochschulgruppe. Sobald wir die Registrierung abgeschlossen haben, könnt ihr euch nicht nur als interessiertes Einhorn bei uns melden oder an unseren künftig regelmäßig stattfindenden Treffen teilnehmen, sondern auch als Einhorn oder ordentliches Einhorn beitreten. Unser Zentralkomitee der Einhörner (ZK) kümmert sich dann um euren Antrag. In das ZK gewählt haben die Gründungsmitglieder übrigens marsi und Nadja.

Außerdem haben wir über Maßnahmen gegen den „Tag der deutschen Zukunft“, einer großen Nazidemo, und über den Menstrual Hygiene Day, insbesondere Angebote, die sich auch an nichtbinäre Personen richten, gesprochen.

Zu guter Letzt möchten wir eine Patenschaft für ein Alpaka übernehmen.